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28.01.2019

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Alexander Wragge

Action, Action, Action

Als Initiative haben wir vielen hundert Aktionen für eine offene Gesellschaft eine Bühne geboten. Gerne unterstützen wir Engagierte im ganzen Land mit Tipps & Material. Fünf bewährte Formate im Überblick.

Die #Unteilbar-Demo in Berlin
Mehr als 240.000 Menschen zeigten bei der #Unteilbar-Demo Haltung © Peter van Heesen

Demos

Demonstrieren gehen, das ist so 80er – hätte man meinen können. Hätte, denn 2018 verging kaum ein Wochenende, an dem nicht irgendwo im Land Menschen gegen Rassismus und für eine freie, offene und humane Gesellschaft auf der Straße waren: von Zwickau bis Hannover, von Schwerin bis München. Höhepunkt war zweifellos die #Unteilbar-Demo in Berlin. Statt der erwarteten 40.000 Menschen kamen tatsächlich mehr als 240.000. Zu sehen waren Familien mit Kindern, Rentnerinnen, Techno-Tänzer … keine Frage: die Demo ist zurück.

Ob auf dem Dorf oder in der Großstadt – gerne mobilisieren wir mit, wenn Gruppen, Initiativen und Bündnisse für eine menschenfreundliche und pluralistische Demokratie eintreten. Außerdem haben wir aus Sprüchen und Freundes-Zitaten (Demo-) Plakate zum Selbstausdrucken gestaltet. Auf Demos sehr beliebt sind zum Beispiel die Plakate “Migration ist die Mutter meiner Freund*innen” (Paulina Fröhlich) und “Schimmel entsteht in geschlossenen Räumen” (Van Bo Le-Mentzel). Ob bei Sonne oder Regen: Dafür ist das neue Dagegen!

Auch in Bremen wird diskutiert: "Welches Land wollen wir sein?"
Auch in Bremen wird diskutiert: "Welches Land wollen wir sein?" © Karsten Klama

Debatte: Welches Land wollen wir sein?

Kurzer Rückblick: Es ist Herbst 2015. Während sich seit dem Sommer zigtausende Menschen in der Flüchtlingshilfe engagieren, kippt andernorts die Stimmung. Hass und Hetze schlagen sich Bahn, nicht nur im Netz. Wie soll es weitergehen? Für unsere Mitbegründer Harald Welzer und Alexander Carius ist in dieser Lage klar: wir müssen endlich (wieder) richtig reden. Vor Ort und persönlich. So ist die Debatten-Reihe „Welches Land wollen wir sein?“ geboren. Das Format: Gäste aus Kultur und Gesellschaft geben kurze Impulse. Dann diskutieren alle mit. Ob im Theater oder im Jugendclub, ob im Kulturzentrum oder in der Kirche.

Noch Ende 2015 fasste ein Journalist das Projekt so zusammen: „Das ganze Land soll endlich reden – ein irrsinniger Plan.“ Mittlerweile hat die Debatte an mehr als 100 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattgefunden. Mehr als 10.000 Menschen nahmen daran teil. Gerne helfen wir allen, die das Format an ihren Ort holen wollen – mit Tipps, Material und Bekanntmachung.

Speeddating ist ein bewährtes Format
Beim Speeddating kommt man schnell ins Gespräch... © Initiative Offene Gesellschaft

Speeddating

Die Suche nach dem richtigen Ehepartner kann ein ganzes Leben dauern, erst Recht, wenn man sich auf den Zufall verlässt. Das geht alles auch schneller und effizienter, dachte sich der jüdisch-orthodoxe Rabbi Yaacov Deyo. In Los Angeles organisierte Deyo Ende der 90er Jahre Veranstaltungen, bei denen sich alleinstehende Männer und Frauen jüdischen Glaubens reihenweise und in wenigen Minuten einander vorstellen. Das Speeddating war geboren.

Weltweit wurde das Format zigfach kopiert und abgewandelt. Bei unserem Speeddating der offenen Gesellschaft geht’s nicht darum, den Partner fürs Leben zu finden – obwohl das natürlich auch passieren darf. Hier finden einfach Menschen zum Gespräch zusammen, ob sie sich schon kennen oder nicht. In kurzen Runden reden sie über große Politik und private Erlebnisse. Herauskommen verlässlich neue Bekanntschaften, Erkenntnisse und Ideen. Ob am langen Tisch in der Kneipe oder auf einer Decke im Park – ein Speeddating kann die  verschiedensten Leute ganz neu zusammenwürfeln – junge und alte, heimische und geflüchtete … Wir helfen gern mit Tipps & Material.

Diese Weltreise geht in ein finnisches Wohnzimmer
Diese Weltreise führt in ein finnisches Wohnzimmer © Hilla Südhaus

Führungen & Vor-Ort-Besuche

Seit Jahren liegen außergewöhnliche Stadtführungen im Trend. In Berlin führen sie zum Beispiel an die Orte der 68er-Revolution oder zu den Schauplätzen der wilden 20er-Jahre. Doch auch für die Gegenwart unserer offenen Gesellschaft können Touren und Vor-Ort-Besuche die Augen neu öffnen. So haben etwa Engagierte in Offenbach die Reihe „Ich zeig Dir meine Stadt“ etabliert. Menschen jeglicher Herkunft zeigen sich die Orte, die ihnen wichtig sind, vom pakistanischen Lebensmittelladen bis zur Weinstube. Ein weiteres Beispiel: das bundesweite Projekt „Weltreisen durch Wohnzimmer“. Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte laden hier ‚Weltreisende‘ zu sich nach Hause ein. Für zwei Stunden schildern sie ihre Familiengeschichte, berichten aus Ländern wie Vietnam, Äthiopien, Frankreich …

Wir finden diesen neuen Rausgeh’-Trend natürlich großartig, und helfen gerne mit Tipps fürs Mit- und Selbermachen.

Beim Storytelling ist Platz für persönliche Geschichten
Beim Storytelling ist Platz für persönliche Geschichten © Initiative Offene Gesellschaft

Storytelling-Runden

Den US-Schriftsteller George Dawes Green packte Ende der 1990er-Jahre die Sehnsucht. Er vermisste die Sommerabende in seiner Heimat Georgia, an denen seine Freunde und er auf einer Veranda saßen und sich bis in die Nacht fesselnde Geschichten erzählten. Dieses besondere Gefühl wollte Green unbedingt nochmal erleben, also gründete er mit anderen die Storytelling-Gruppe „The Moth“ – benannt nach den Motten, die damals um’s Licht schwirrten. Inzwischen ist „The Moth“ eine riesige Bewegung mit Erzähl-Abenden in mehr als 20 US-Städten. Tausende Menschen teilen hier ihre Erlebnisse und Geschichten, vom Coming Out am Arbeitsplatz bis zur Rückkehr aus dem Krieg in Afghanistan.

Auch im Freundeskreis der Offenen Gesellschaft ist das Storytelling ein beliebtes Aktionsformat. Komplexe Themen wie Migration oder Europa lassen sich oft viel persönlicher und empathischer diskutieren, wenn wir uns unsere eigenen Geschichten hierzu erzählen. Am Ende hat man oft mehr über die anderen und die Welt da draußen erfahren als nach so manchem Experten-Panel. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen mit allen, die Storytelling-Runden gestalten wollen.

Heute: Offene Gesellschaft
© Peter van Heesen

Einfach loslegen!

Flagge zeigen, Begegnungen ermöglichen, die Zukunft diskutieren – für das Engagement im Sinne einer offenen Gesellschaft gibt’s unendlich viele Wege und Formate. Mehr als 1.000 Aktionen von Einzelpersonen, Gruppen und Initiativen im ganzen Land haben wir bereits eine Bühne geboten, von der Handy-Lichterkette in der „Langen Nacht der Demokratie“ bis zur „Talkshow aus der Zukunft“. Diesen Erfahrungsschatz teilen wir gerne mit allen Engagierten. Zugleich wollen wir dazu ermutigen, sich was ganz Eigenes auszudenken. Denn je nach Ort und Publikum eignen sich andere Formate. Führt eine verstörende Kunst-Performance in der Fußgängerzone zu dem gewünschten Ergebnis oder wäre ein Kneipenquiz zur Nachbarschaft der bessere Weg?

Für den Start haben wir eine Aktions-Box der Offenen Gesellschaft entwickelt, mit der sich schon ordentlich wirbeln lässt. Darin versammelt sind ein Memory-Spiel, Aufkleber, Postkarten und eine Formate-Sammlung. Wer eine Box will, melde sich bei uns.

Gemeinsam statt einsam…

Jede Aktion im Sinne einer offenen Gesellschaft zieht neue Kreise und setzt in bewegten Zeiten ein Zeichen. Wer mit uns in Aktion treten will, Material braucht, Fragen oder Ideen hat, schreibe uns an:

freunde@die-offene-gesellschaft.de

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