Aufruf
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31.08.2017

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Kea von Garnier

Das Schweigen muss ein Ende haben!

Selfies und Avocado-Toasts ... das Netz kann schon sehr unpolitisch sein. Die Poetin, Feministin und Bloggerin Kea von Garnier ruft zu einer Challenge auf.

Zunächst einmal ist es ja so, dass ein großer Teil der Lifestyle-Blogosphäre erschreckend apolitisch um sich selbst kreist. Das tut weh, aber es ist wahr. Dabei kann es so sinnstiftend sein, sein digitales Wirken auch in den Dienst einer größeren Sache zu stellen, eines Engagements, das mehr beinhaltet als den eigenen Geschmack, den eigenen Erfolg und Avocadotoast.

Als würden die Menschen einfach nicht begreifen, dass unser politisches System und seine Unversehrtheit erst den Lebensstandard und die Freiheit generieren, in der wir uns tatsächlich friedlich und fröhlich um uns selbst drehen können. Dabei liegen die Antihelden so nah: Man muss nur einen Blick über den großen Teich werfen, in die USA, in denen grundlegende Werte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Gleichbehandlung vor dem Gesetz plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind. Oder in die Türkei, die der Weltgemeinschaft demonstriert, wie man einen Rechtsstaat aushöhlt.

Und ich hätte mir niemals vorstellen können, dass das politische Klima sich so entwickelt hat, wie es das getan hat. Dass man im Netz angegriffen wird, wenn man sich für eine vielfältige Gesellschaft stark macht. Das wäre zu meinen Teenagerzeiten undenkbar gewesen. Die Leserkommentare unter den Artikeln der Nachrichtenseiten wären undenkbar gewesen. Der Ton ist so rau geworden. Da hat eine völlige Enthemmung stattgefunden.

Challenge
10 Tage, 10 Fragen. Wer mitmachen will, teile persönliche Statements & Antworten im Netz...

Wählen ist ein Privileg

Aber immer wieder ist die Kommunikation im Netz eine Einbahnstraße. Hassrede bleibt viel zu oft unwidersprochen. Und viel zu oft sehen sich die, die die demokratischen Werte, Meinungsfreiheit und eine offene, pluralistische Gesellschaft verteidigen, Angriffen ausgesetzt und erhalten kaum Rückendeckung.

Um DIESE Rückendeckung geht es mir. Hier sehe ich uns alle in der Pflicht. 

Das Schweigen muss ein Ende haben. Der Eskapismus. Dieser komische Neo-Biedermeier, in dem wir gelandet sind. Überlassen wir nicht stillschweigend das Feld und das Netz denen, die hassen, pöbeln und hetzen, weil wir nur noch unsere Wohnzimmer einrichten, schnitzen, backen und handlettern.

Deshalb begrüße ich es sehr, dass ich zur Zeit beobachte, wie auch einige Lifestylebloggerinnen das politische Parkett betreten: Vreni von JäckleundHösle nähert sich zum Beispiel im Podcast-Format dem Feld der Politik,  Nina von Pink Green Blog fordert nachdrücklich zum Dialog auf und Sabine von Hej Gretel lobt unser Recht zu wählen – es ist schließlich ein Privileg.

#ichgehewählenchallenge2017

Und ich freue mich über jede und jeden, der/die Lust hat, bei der von mir ins Leben gerufenen #ichgehewählenchallenge2017 mitzumachen. Vom 1. bis zum 10. September kommen wir ins Gespräch über Politik, Demokratie und unsere Wünsche für die Zukunft. Ihr müsst nicht an allen Tagen dabei sein, denn jeder einzelne Beitrag zählt. Gern könnt ihr auch mit „normalen“ Fotos an der Challenge teilnehmen und in euren Texten Stellung beziehen.

Wir müssen sichtbar und hörbar sein – sehr viel sichtbarer und hörbarer als alle, die unsere offene Gesellschaft in Frage stellen. Denn JETZT ist die Zeit, laut zu werden. Als schweigende Masse erreichen wir nichts.

Zur Autorin
KeaKea von Garnier ist Poetin, Essayistin und Feministin. Seit Anfang 2017 veröffentlicht sie Essays, Prosa und Lyrik auf ihrem Text-Blog kea-schreibt.de, wo dieser Aufruf in längerer Fassung erschienen ist.

Titelfoto: Ian Schneider (CC0)

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