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18.12.2017

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Initiative Offene Gesellschaft

Die Lichtermeer-Bewegung: Mit einer Solarlampe zu besonderen Begegnungen

Wie bringt man Menschen dazu, wieder mehr miteinander zu reden, statt nur auf Displays zu schauen? Indem man ihnen Anlässe gibt. Das kann eine lange Tafel im Freien sein, eine Veranstaltungsreihe – oder aber auch eine schlichte Lampe.

Digitalisierung, Flucht, Fake News – wir leben in rasanten Zeiten. Das kann ziemlich anstrengend werden, wenn wir allein mit unseren Gedanken vor dem Smartphone hängen. Genau deshalb haben wir im Oktober 2017 die Lichtermeer-Bewegung gestartet. Die Idee dahinter: an vielen Orten sprechen Menschen darüber, was sie bewegt und was sich tun lässt. Frei. Persönlich. In einem besonderen Licht.

Denn das Symbol der Lichtermeer-Bewegung ist das Sonnenglas, eine Fair Trade Solarleuchte aus Südafrika. Sie leuchtet dort, wo Menschen das Gespräch suchen – mit Freundinnen und Gästen, mit Fremden, Nachbarn und Kolleginnen. Am Küchentisch. Im Park. Auf dem Hausdach oder ganz woanders. Aus vielen Lichtermeer-Abenden wird so ein großes Zeichen. Für das Miteinander, für den Austausch im Hier und Jetzt und für eine offene Gesellschaft. Bisher haben schon viele Lichtermeer-Abende in ganz Deutschland stattgefunden und es werden noch mehr.

Der Initiator des Projekts, Alexander Wragge, erzählt von seinem eigenen Lichtermeer-Abend:

„Ein nächtliches Fußballfeld in den Bergen Perus. Ein Wohnzimmer in Istanbul. Die Villa eines Warlords in Afghanistan. Das waren einige Schauplätze der Anekdoten, die wir uns beim Lichtermeer Abend in Berlin-Kreuzberg erzählten. Statt eine gesellschaftliche oder politische Frage zu diskutieren, teilten wir einfach persönliche Erlebnisse. Das Thema: Begegnungen.

Alle Erlebnisse nachzuerzählen wäre natürlich zu viel. Hier drei Beispiele: eine Nicht-Muslimin trifft ihre künftige kurdische Schwiegermutter und erstmal geht fast alles schief. Ein Paar lässt sich in Indien auf einen rätselhaften Fremden ein, der sie mit dem Auto so lange durch die Gegend fährt, bis sie nicht mehr wissen, wo sie sind, und was der Mann eigentlich mit ihnen vorhat. Und in Afghanistan bekommt es der Gründer einer NGO mit einem mächtigen Klanchef zu tun, der seine eigene Privatarmee unterhält.

Vielleicht standen uns diese Begegnungen deshalb noch so bildhaft vor Augen, weil sie uns auf die Probe gestellt hatten, etwas traumatisch waren. So entspann sich am Tisch auch eine Diskussion über Angst, Macht, Anpassung und Selbstbehauptung. Die Erzählenden hatten bei ihren Begegnungen etwas erfahren, nicht nur über andere Menschen und Gesellschaften, sondern auch über sich selbst. Missen wollte sein Erlebnis niemand.

Bleibt zu sagen, das Geschichten erzählen eine ziemlich schöne Art ist, sich kennenzulernen und Erfahrungen zu teilen. Um die Lichtermeer-Lampe versammelt waren Menschen aus der Türkei, Australien, Frankreich, Kanada und Deutschland, die sich größtenteils noch nicht kannten. Life is live.“

 

Titelbild: © Eric Schütz

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