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15.09.2017

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Initiative Offene Gesellschaft

Diese Menschen tun alles dafür, dass ihr wählen geht

"Die Parteien sind doch eh alle gleich, wem ich meine Stimme gebe ist also egal. Na dann gehe ich auch nicht hin" - diese Ausrede kann Pauline von x-Weise nicht mehr hören. Am 24. September können wir mitentscheiden, wer in den nächsten vier Jahren die Bundespolitik machen darf. Trotzdem haben beim letzten Mal fast 30 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme nicht genutzt. Wie kann man nur darauf verzichten, mitzumischen? Die gute Nachricht: In den letzten Wochen und Monaten haben sich viele einfallsreiche Menschen überlegt, wie man die Wahlbeteiligung erhöhen kann. Wir stellen ein paar von ihnen vor.

x-Weise

Vier junge Leute, die wirklich jeden abholen: Auf ihrer Webseite erklären sie ganz grundsätzlich, wie man Stimmzettel richtig ausfüllt. Aus den dicken Parteiprogrammen haben sie übersichtliche Grafiken gestaltet. Und sie erklären auch einfach nochmal, welche Vorteile es hat, in einer Demokratie zu leben.

Drei Fragen an Pauline von x-weise: Pauline x-Weise

Was machst du Krasses, damit mehr Leute ihre Stimme abgeben?

Damit Leute ihre Stimme abgeben, habe ich mit drei Freund*innen eine Informationsplattform zur nächsten Bundestagswahl erstellt. Teil unseres Konzepts: mit Influencern auf Instagram zusammenarbeiten, die zum Beispiel auf unsere Website hinweisen und einen kollektiven Wahlaufruf starten. Dafür habe ich in den letzten anderthalb Monaten 690 E-Mails geschrieben. Das war krass.

Warum machst du das?

Ich bin Teil dieses Projekts, da ich glaube, dass es wichtig ist, Menschen ganz einfach an Politik heranzuführen. Menschen, die politisch uninformiert sind, einen leichten Einstieg zu ermöglichen. Wenn der Einstieg erst einmal geschafft ist, dann ist der Weg, seine Stimme abzugeben und für eine offene Gesellschaft einzustehen, schon eingeschlagen.

Welche Ausrede, nicht wählen zu gehen, kannst du nicht mehr hören?

Die Parteien sind doch eh alle gleich, wem ich meine Stimme gebe ist also egal. Na dann gehe ich auch nicht hin.

www.kreuzweise.net

Kleiner Fünf

Die jungen Leute von Kleiner Fünf haben keine Lust auf rechtspopulistische Parteien im Bundestag. Sie finden: Die sollen unter der Fünf-Prozent-Hürde bleiben. Das klappt aber nur, wenn Leute, die das auch so sehen, ihre Kreuzchen machen. Ziemliche Furore haben sie mit ihrem "Wahlantrag" gemacht": Dank dieser Kampagne kannst du Freunde darauf einschwören, mit dir wählen zu gehen. Mit Ringtausch!

Karina Kleiner FünfDrei Fragen an Karina von Kleiner Fünf:

Was machst du Krasses, damit mehr Leute ihre Stimme abgeben?

Ich engagiere mich bei der Initiative Kleiner Fünf. Unser Ziel ist es, dass keine rechtspopulistische Partei in den Bundestag einzieht. Das wollen wir unter anderem damit erreichen, dass wir möglichst viele junge Leute zum Wählen bewegen, ob direkt oder per Briefwahl. Bei Kleiner Fünf bin ich im Social-Media-Team: Es ist schon manchmal krass, was für Äußerungen einige so ins Internet stellen. Manche sind sehr uninformiert, andere sind sehr hasserfüllt, wieder andere beides. Dagegen gehen wir mit radikaler Höflichkeit an. 

Warum machst du das?

Ich habe letztes Jahr gesehen, wie die AfD in Landtage eingezogen ist und die öffentliche Diskussion bestimmt hat. Rechtspopulisten haben Themen gesetzt und es geschafft, dass sich fast alle Parteien eher nach rechts entwickelt haben. Das ist kein Trend, den ich unterstützen will und ich glaube bzw. hoffe auch, dass es keine Mehrheit für diese Ideen gibt. Rechtspopulisten sind nur um einiges aktiver online und damit sehr sichtbar. Brexit und Trump haben dazu beigetragen, dass ich die politische Entwicklung nicht weiter einfach beobachten, sondern mich engagieren wollte, so viel ich kann. Ich habe einfach das Gefühl, dass das jetzt gerade wirklich wichtig ist. Und das Gefühl haben aktuell viele, was ich sehr schön finde.

Welche Ausrede, nicht wählen zu gehen, kannst du nicht mehr hören?

"Ist doch egal, ob ich wählen gehe oder nicht" - das stimmt einfach nicht. Je geringer die Wahlbeteiligung ist, desto höher ist der prozentuale Stimmenanteil von Parteien, die aus Protest gewählt werden. Jede Stimme zählt. Und es ist gerade dieses Jahr wirklich wichtig, wählen zu gehen. Und bitte keine rechtspopulistische Partei zu wählen.

www.kleinerfuenf.de

Sonntag hab ich was Besseres vor

Diese Initiative (s. Titelfoto) hat eine unglaublich freshe Ansprache. Die Gründer*innen arbeiten in einer Werbeagentur und wollen die Leute erreichen, die einfach zu cool zum Wählen sind. Weil sie am Wahlsonntag z.B. auf Festivals rumhopsen oder auf Instagram Fotos von ihrem Spontantrip an die Ostsee teilen. Für sie gibt es die Briefwahl, und zwar Schritt für Schritt erklärt.

Drei Fragen an das Team von Sonntag hab ich was Besseres vor:

Was macht ihr Krasses, damit mehr Leute ihre Stimme abgeben?

Wir machen mit viel guter, überzeugender, origineller Kommunikation Briefwahl wieder sexy. Denn so kann zwischen jetzt und dem 24.9. jeder und jede wählen, wann und wie er will. Im Bett, im Park, bei der Aftershow. Sonntag etwas Besseres vor als wählen zu gehen? Nur zu!

Warum macht ihr das?

Demokratie braucht Beteiligung, und die Wahl ist das einfachste und unkomplizierteste Mittel, sich zu beteiligen. Wir wollen, dass die Leute das wieder nutzen. Weil es klug und fetzig ist, weil es Vielfalt schafft und erhält und die echten Mehrheiten einer bunten Gesellschaft abbildet.

Welche Ausrede, nicht wählen zu gehen, könnt ihr nicht mehr hören?

Wir drehen’s mal um: „Sonntag hab ich was Besseres vor“ ist ab sofort wieder voll okay.

sonntaghabichwasbesseresvor.de/

Bock auf Wahl

Die Wahlbeteiligungskampagne mit Lokalkolorit: Bock auf Wa(h)l sind konkret. Sie wollen die Wahlbeteiligung in Stutti um zehn Prozent nach oben pushen. Mit der Einladung, sich zu beteiligen, mit der Unterstützung durch Fernsehprominenz, und dem definitiv niedlichsten Logo.

www.bockaufwahl.org/

Hier Wählen Alle

Die Wahlbeteiligungsinitiative der anderen Art: "HIER WÄHLEN ALLE" ist eine Kampagne der Neuen Nachbarschaft // Moabit, die im Berliner Stadtteil Moabit ein Sozial- und Kulturzentrum führen. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass viele Menschen, die schon lange in Deutschland leben und sich einbringen, nicht wählen dürfen. Weil sie nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Für sie öffnet die Neue Nachbarschaft am 24. September ein Wahllokal, damit sie symbolisch ihre Stimme abgeben können.

neuenachbarschaft.de/2017/07/11/hier-waehlen-alle/

Titelfoto: TLGG

Porträtfotos: privat

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