Artikel
|
18.12.2017

|
Anna Link, Pressereferentin, und Yannis Haug-Jurgan, Campaigner der Initiative Offene Gesellschaft

„Heute offene Gesellschaft“: Die Kneipenbox sorgt für Gesprächsstoff am Tresen

Kneipen – Orte der Begegnung und des offenen Austauschs. Das dachten sich auch unser Freund Frank Neyenhuys und Mitbegründer Alexander Carius und entwickelten die Aktionsbox für Kneipen. Mit Türschild, Tischaufstellern, Aufklebern und Bierdeckeln sorgt die Kneipenbox für Gesprächsstoff und liefert Material, das zur Diskussion anregt.

Vom Irish Pub in Tuttlingen über das Theaterprojekt in Berlin bis zum Schützenverein in Vielank. Unsere Kneipenbox hat ihren Weg in mehr als 130 Cafés, Kneipen und zivilgesellschaftliche Projekte gefunden. An vielen Orten in ganz Deutschland setzen Kneipiers, Kulturschaffende und Café-Betreibende mit dem Türschild „Heute Offene Gesellschaft“ ein Zeichen: Dies ist ein Ort der Offenheit und Toleranz. Wir setzen uns zusammen und auseinander. Mit Respekt und Anteilnahme. Das macht eine offene Gesellschaft aus. Eine Demokratie. Auch eine Kneipe. Hier stößt man auf Gespräch und Diskussion. Und an einigen Orten sogar auf einen politischen Stammtisch wie in Ebern bei Coburg.

Einer, der die Box bereits im Kneipenalltag erprobt hat, ist Jochen Schwarzwälder aus dem Fürstenbergs Irish Pub in Villingen-Schwenningen. Er berichtet:

„Das Irish Pub in Villingen wurde 1996 eröffnet, ist damit unser ältestes Projekt und gilt in unserem „Städtle“ als Institution. Wie es auch typisch für ein Irish Pub ist, finden sich hier Menschen der verschiedensten Milieus wieder – von Bauarbeiter über Rocker, hin zum Polizist bis zum Schlipsträger. Von daher haben wir hier schon von jeher eine eher „offene Gesellschaft“.

Trotz – oder gerade weil wir sehr stolz auf unser buntes Klientel sind, haben wir uns dazu entschlossen, eure Aktion mit aufzunehmen. Wir merken in vielen sozialen Interaktionen, dass ein gewisser respektvoller Umgang mehr und mehr schwindet. Und genau da sehen wir uns als soziales Forum in einer gewissen Verpflichtung, zumindest eine entsprechende Basis darzustellen. Bis zum Siegeszug der interaktiven sozialen Netzwerke galten Kneipen schließlich als typisches Forum, um sich in politischen Fragen auszutauschen, zu informieren und Meinungen zu bilden.

Wir haben bisher gezielt lediglich in unserem kleinsten Pub die Kneipenbox aufgestellt, haben unsere Gäste aber nicht explizit darauf hingewiesen. Dafür haben wir eure Bierdeckel in unsere Standardbierdeckel untergemischt, haben eure Poster an der Eingangstüre aufgeklebt und euer Türschild an eine Lampe direkt an die Bar gehangen. Zudem haben wir eure Aufkleber in unserem Take-Away-Bereich ausgelegt und die Tischaufsteller auf die Theke gestellt.

Die Reaktionen auf die Kneipenbox-Objekte sind bisher allerdings eher gering. Auffälligstes Element ist bisher das Türschild, hier wird hin und wieder nachgehakt, was es mit der Aktion auf sich hat. Die Bierdeckel, Poster und Aufsteller hingegen scheinen nur wenig Aufmerksamkeit bei unseren Gästen zu erregen.

Jetzt stellt sich natürlich zum einen die Frage, woran das liegen könnte. Ich persönlich denke, dass unser Publikum im Allgemeinen eher als ein relativ aufgeklärtes Publikum zu definieren ist und daher gar nicht so sehr die Notwendigkeit dieser Aktion verspürt. Zudem – und das ist jetzt eine ganz persönliche Einschätzung – empfinde ich die Sprüche auf den Bierdeckeln noch nicht provokant genug. Ich sehe, dass sich die Mimik von Gästen, welche die Sprüche lesen, in einen verwunderten Ausdruck verwandelt – der Bierdeckel aber dann schnell wieder weggelegt wird.

Auch, wenn sich mein Feedback jetzt etwas ernüchternd liest, empfinde ich eure Aktion für wichtig und notwendig. Wir werden sicherlich auch zukünftig eure Aktion unterstützen. Es ist immer einfacher, gegen etwas zu sein, als für etwas. Die offene Gesellschaft muss einfach noch ein bisschen wachsen und mehr in den Fokus gerückt werden.“

Titelbild: © Max Bohm

Anmelden oder Registrieren, um Kommentare verfassen zu können