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22.03.2018

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Michal Tomaszewski (Banda Comunale)

Nicht entmutigen lassen!

Die Banda Comunale spielt in Sachsen groß auf – gegen Fremdenhass und Vorurteile. Mitbegründer Michal Tomaszewski blickt zurück auf 2017 – und fordert eine Absage an die Lethargie.

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Wir haben in 2017 mit dem durch den Freistaat Sachsen geförderten Projekt „The Kids Are Alright“ begonnen, in dessen Rahmen wir sächsische Schulen besuchen und dort interkulturelle Musikworkshops anbieten. Außerdem haben wir ein Bandprojekt mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten ins Leben gerufen. Die Nachfrage war so groß, dass wir alle verfügbaren Termine innerhalb von zwei Wochen für das ganze Jahr vergeben konnten. Die Besuche an den Schulen haben uns teilweise umgehauen und uns in dem Vorhaben bestärkt, uns längerfristig in Bildungsprojekten in der Region zu engagieren. An vielen Stellen in der Gesellschaft scheinen Dialogbereitschaft und Toleranz nicht mehr möglich. Das ist bei Kindern zum Glück ganz anders. Sie geben uns nicht nur das nötige Feedback, sondern auch sehr viel Motivation beim Engagement für eine offene Gesellschaft.

Auch war 2017 der dritte Jahrestag des fremdenfeindlichen Pegida-Ungeheuers, dem zum ersten Mal mindestens genauso viele Gegendemonstranten in Dresden gegenüberstanden, ein tolles Erlebnis. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass die Dresdner es endlich leid sind, über eine so lange Zeit mit wenig anderem als Rechtspopulismus in Verbindung gebracht zu werden.

Video zur Banda Internationale (2015).

Den solidarischen Gedanken aufrechterhalten

Das Vertrauen in bewährte gesellschaftliche Strukturen, in Politik und ihren Kampf für soziale Gerechtigkeit scheint bei vielen Menschen aufgebraucht. Sie sind müde. Auf der einen Seite suchen Menschen kurzfristige Antworten in extremen Positionen, auf der anderen scheint sich ein Fatalismus zu verbreiten, dem die Annahme zugrunde liegt, dass es unmöglich ist, an bestehenden Verhältnissen etwas ändern zu können.

Die größte Herausforderung wird es sein, den solidarischen Gedanken denen gegenüber aufrechtzuerhalten, die sich am Ende der Wohlstandskette befinden und auf deren Rücken viele der derzeitigen Konflikte ausgetragen werden. Vermutlich sind die Migrationsströme, mit denen wir aktuell zu tun haben, erst der Anfang. Den Glauben an ein unendliches Wachstum zu entzaubern und mit den Folgen von Wachstum und Kapitalismus Umgang zu finden, ist vermutlich die größte Herausforderung der Zukunft.

Gegen die Lethargie

Unsere Generation muss einsehen, dass die Ressourcen der Welt endlich sind und dass die Antworten, die Rechtspopulisten angesichts wirtschaftlicher Abstiegsängste vorgeben zu besitzen, falsch, gefährlich und fatal sind. Sie wäre gut beraten, an die kommende Generation zu denken und jeglicher sozialen Impotenz und Lethargie eine Absage zu erteilen. Sie muss sich engagieren und darf sich nicht entmutigen lassen. Und sie muss Verantwortung übernehmen, nicht nur für sich selbst. Das geht auch im Kleinen.

Banda Comunale feat. Ezé - Wann wird's mal wieder richtig Sommer? | Heimatsound (2016)

Wir sollten uns zusammenschließen

In der aktuellen Situation dürfen demokratische Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz nicht zur Disposition gestellt werden. Wir würden uns als Band wünschen, dass unsere Idee, sich als Musiker und Pädagoge in der Region an Bildungseinrichtungen zu engagieren, mehr Kollegen erreicht und wir uns vielleicht zusammentun. Ein großes, internationales Musiker-Kollektiv, das den Mangel an interkulturellen Kompetenzen in Angriff nimmt, welche Bildungseinrichtungen schon lange nicht mehr allein beheben können.

Zum Autor:

Michal Tomaszewski ist Musiker und Architekt. 2001 gründete er mit Dresdner Musikern die „Banda Comunale“, die überregional durch ihr Engagment gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bekannt wurde. Mit geflüchteten Musikern schloß sich die Band 2015 zur "Banda Internationale“ zusammen. Das fast 20-köpfige Kollektiv mit Musikern aus Syrien, Palästina, Afrika, Iran und dem Irak hat zahlreiche Preise gewonnen und mehr als sechzig Konzerte in Dresden, in Sachsen und Deutschland gespielt. Großes, gemeinsames Ziel war es Heimatmusik neu zu interpretieren, Herzen zu öffnen, Vorurteile und Ressentiments abbauen zu helfen und zur Verständigung zwischen neuen und alteingesessenen Sachsen, Deutschen, Europäern beizutragen. Die Band hat die Initiative Offene Gesellschaft von Anfang an unterstützt...

Titelfoto: Die Banda Comunale aus Dresden. Foto: Alexander Gehring / Initiative Offene Gesellschaft

 

 

 

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