Artikel
|
18.12.2017

|
von Anna Maria Link, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Initiative Offene Gesellschaft

Rückblick, Reflexion und neue Ideen: Die Konferenz „Besser Weiter Machen“ fragt nach der Zukunft der offenen Gesellschaft

Zwei Tage. 75 pro-demokratische Akteure aus ganz Deutschland: Die Initiative Offene Gesellschaft hat sie im Dezember 2017 zum Erfahrungsaustausch unter dem Titel „Besser Weiter Machen“ eingeladen, um Erfahrungen zu teilen, gemeinsam zu reflektieren und aus Fehlern zu lernen. Die ausführliche Dokumentation gibt es hier zum Download.

Als Reaktion auf das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien haben sich viele pro-demokratische Initiativen im letzten Jahr für eine offene Gesellschaft engagiert. In vielen erfolgreichen Aktionen und Formaten haben sich verschiedene Organisationen für die Demokratie und gegen die Feinde einer offenen Gesellschaft eingesetzt.

Was funktioniert und was nicht?

Dokumentation
Jetzt herunterladen: Unsere Dokumentation der Konferenz Besser Weiter Machen (PDF)

Mit Blick auf die gegenwärtige Situation in Deutschland müssen wir uns fragen: Was passiert eigentlich in diesem Land? Können Parteien noch das leisten, was wir brauchen – nämlich gesellschaftliche Auseinandersetzung? Oder findet das nicht gerade in der Zivilgesellschaft statt? Ist die Bürgergesellschaft in der Lage, dieses Vakuum zu füllen beziehungsweise ergänzend aufzutreten? Was braucht zivilgesellschaftliches Engagement und wie können wir besser weitermachen? Auf der Konferenz reflektierten die Teilnehmenden ihre bisherigen Ansätze und Methoden kritisch, identifizierten wichtige Einsatzfelder und setzten sich gemeinsam mit den Herausforderungen auseinander. Neben Erfahrungsaustausch und Selbstreflexion spielte auch der Vernetzungsgedanke eine wichtige Rolle.

„Gemeinsam haben wir im letzten Jahr viel Lärm gemacht. Die Politisierung vor allem im jüngeren Spektrum der Gesellschaft war zu spüren“, so Alexander Carius, Mitbegründer der Initiative Offene Gesellschaft. „Wir wollten raus aus der Filterblase und mussten feststellen: das ist nicht immer einfach. Wir müssen uns fragen: was funktioniert, was nicht?“ Es sei Zeit, zurückzublicken und gemeinsam gestärkt in die Zukunft zu schauen. An die Teilnehmenden gerichtet sagte Alexander Carius: „Ihr seid die Zukunft – und darüber bin ich echt froh.“

Vielfalt und Zusammenhalt

Die Vielzahl und Vielfalt der Initiativen auf der Konferenz zeigt, dass positive Zukunftsvisionen existieren. Diese müssen nun unter Einbeziehung neuer Erkenntnisse und Kontakte im Jahr 2018 weiterentwickelt werden. „Es gibt sie, die Feinde der Demokratie. Und deshalb müssen wir wirkmächtiger werden, Synergien bilden, Ergebnisse in die Politik tragen. Also gemeinsam besser weitermachen“, so Alexander Carius.

Was braucht also die offene Gesellschaft von morgen? Dazu stand uns Konferenzteilnehmer Thomas Heppener Rede und Antwort, Leiter der Referatsgruppe „Demokratie und Vielfalt“ im Bundesfamilienministerium. Das Ministerium hat die Junge Offene Gesellschaft 2017 im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ gefördert.

Welche Bedeutung hat diese Konferenz für Sie?
 
Thomas Heppener: Im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ haben wir mittlerweile über 500 Programmpartnerinnen und Partner. Ich habe leider nicht die Chance, überall mitzubekommen, welche spannenden, interessanten Organisationen sich gegen Radikalisierungen und Polarisierungen engagieren. Da auf dieser Konferenz eine ganze Reihe an pro-demokratischen Organisationen zusammenkommen, bin ich gern dabei, um zu sehen, wie sich insbesondere junge Leute für Demokratie und Vielfalt engagieren. Für das Ministerium ist es wichtig, dass es ein breites zivilgesellschaftliches Engagement gibt, dass die Fragen der Arbeit für gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Gestaltung von Vielfalt vorankommen. Es wird immer davon geredet, es gäbe zu wenig Engagierte. Hier sieht man, es gibt ganz viele, tolle aktive junge Leute.

Was wird 2018 wichtig?

Thomas Heppener: Auf der Seite der NGOs, der Zivilgesellschaft, ist es die Frage, wie erreichen wir die, die wir sonst nicht erreichen. Und wie gehen wir an Orte, an denen gar nichts mehr passiert. Wie bekommen wir die Grundwerte - Menschenwürde, Diskriminierungsverbot, Presse und Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, all diese Dinge, wie bekommen wir diese Werte wieder als normale Werte des Zusammenlebens gestaltet? Dieser Diskurs „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ ist notwendig. Und möglichst vielen die Möglichkeit zu bieten, sich daran zu beteiligen. Das sehe ich als die Herausforderung.     

Zur Autorin:

Anna Maria Link ist Pressereferentin der Initiative Offene Gesellschaft

Titelbild: Peter van Heesen

Hinweis:

Hier finden Sie die Dokumentation der Konferenz als PDF zum Download.

 

Anmelden oder Registrieren, um Kommentare verfassen zu können