Tag der offenen Gesellschaft 2019

Das war unglaublich: An mehr als 700 Orten im ganzen Land (und darüber hinaus) haben zehntausende Menschen den dritten Tag der offenen Gesellschaft gefeiert!

Vergessen wir für einen Moment den ganzen Pessimismus, die Polarisierung, die Spaltung zwischen Stadt und Land, zwischen Ost und West. An diesem geradezu utopischen Tag hat sich eine ganz andere Gesellschaft gezeigt. Eine, die sich nach draußen wagt, das Gespräch sucht, Ideen hat. Im kleinsten Dorf genauso wie in den Großstädten. Über Zugehörigkeiten hinweg

Mit diesem Tag ist es eine seltsame Sache. Viele Monate lang ist er nur eine Idee. Niemand weiß so wirklich, wer sich davon mitreißen lässt. Es gehört auch was dazu: einladen, organisieren, Haltung zeigen. Und dann sind da die Vorbehalte, das Misstrauen.

 

In den sozialen Medien erleben wir, wie provokant allein schon der Gedanke sein kann, mit Menschen unterschiedlichen Denkens oder verschiedener Herkunft ein gemeinsames Fest zu feiern.

Gelebte Utopie

Und dann, nach den vielen Monaten der Vorbereitung, wird aus der Idee Realität. Das passiert jetzt wirklich. In Bremen trifft eine Frau ihre türkischstämmige Nachbarin, die sie jahrelang nur vom Sehen kannte, und sie erzählen sich ihre Lebensgeschichten. Am selben Tisch setzt sich eine 14-Jährige dazu und berichtet der Runde (Durchschnittsalter: 55 Jahre) von ihrem Fridays-for-Future-Aktivismus.

 

In Berlin sieht ein Fahrradfahrer einen großen Tisch auf dem Vorplatz einer Kirche stehen und zettelt spontan eine große Debatte zur Fahrradstadt der Zukunft an. In der kleinen Stadt Schwaan in Mecklenburg-Vorpommern (rund 5.000 Einwohner*innen) finden gleich sechs Runden zusammen – als "gemeinsames Zeichen für die Kraft der Zivilgesellschaft". Und im Herzen Brüssels berichtet man sich zeitgleich davon, was einen hierher verschlug – die Flucht vor Krieg und Gewalt, der Beruf, die Liebe.

"In einer Gesellschaft, die so gespalten ist, ist es wichtig, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen Zusammenhalt zeigen", meint die Kolumbianerin Maria Del Pilar. Sie hat sich der Gruppe "Freiburgerinnen aus aller Welt" angeschlossen. Gemeinsam mit dem Verein "Zeugen der Flucht" und richtig vielen Gästen schmiss man einen Tisch in der Innenstadt (Video).

Es ist einer der ärmeren Bezirke Berlins, in dem der Medienhof junge Menschen mit Migrationshintergund fördert. Auch unser Projektassistent Mohammad Khanjar (mit schwarzem T-Shirt in der Mitte) lernte hier nach dem Unterricht weiter. Am Tag der offenen Gesellschaft kam Khanjar nun zurück – und zwar in Begleitung von Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident rief in seiner Rede auf, sich nicht zurückzuziehen. "Nur wer miteinander redet, lernt sich kennen, vermeidet Vorurteile."

Gabriele und Matthias treibt eine Idee um. Sie wollen auf der Altstadtbrücke zwischen dem deutschen Görlitz und dem polnischen Zgorzelec dauerhaft eine "Bürgerbegegnungsbank" installieren. Am Tag der offenen Gesellschaft probierten sie das einfach mal aus und kamen mit etwa 25 Passanten ins Gespräch.

Wie cool es sein kann, eine Brücke zum Ort der Begegnung zu machen, zeigte sich in Bayern. Richtig viele Menschen setzten sich bis zum Abend an den Tisch von Organisatorin Susanne. Die Alterspanne: 7 Monate bis 75 Jahre. Als es gegen 22 Uhr zu regnen begann, zogen 20 Gäste sogar noch auf Susannes Balkon um. "Es haben sich viele neue Freundschaften ergeben."

"70 Jahre ohne Krieg zu leben – ist das nicht herrlich? In Europa haben wir es geschafft, ohne Angst leben zu können. Viele haben vergessen, was das alles wert ist." Der Maler, Musiker und Schriftsteller Jayantha lud mit seiner Band im Nordschwarzwald schon zum dritten Mal ein, den Tag der offenen Gesellschaft zu feiern.

Noch mehr Fotos & Geschichten

... sammeln wir auf unserer Webseite www.tdog19.de. Kurz runterscrollen zum Social Feed. Auch auf Facebook, Instagram & Twitter werden wir noch viel vom Tag erzählen.

Wir danken zuallererst den rund 700 Gastgeberinnen und Gastgebern! Es gehört viel Mut, Offenheit und Energie dazu, sich auf diese große Gemeinschaftsaktion einzulassen, ein eigenes Fest vor Ort zu wuppen. Zusammen habt ihr richtig was bewegt und ein riesiges Zeichen gesetzt!

 

Und wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern, all den Freundinnen und Freunden, sowie den Organisationen, die mit uns aufgerufen und gewirbelt haben.
Und ganz besonders danken wir den Freiwilligen, die unser Team unterstützt haben: Nino, Camilla, Mariana, Joanna, Christian, Georg, Laurenz, Wilfried, Nora und dem ganzen Netzwerk. Ihr seid die Besten!